Der Monteur-Podcast
Folge 01 · 6 Min

Der unbekannte MilliardenmarktWas ist ein Monteurzimmer, wer übernachtet dort und wie groß ist der Markt in Deutschland?

Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum für Berufstätige, gebucht für Wochen bis Monate, mit eigener Küche und Einzelbetten. Eine offizielle Statistik zu diesem Markt gibt es nicht. Markus Wanning schätzt in dieser Folge 400.000 bis 600.000 Gäste pro Nacht und einen Jahresumsatz von 2,7 bis 5,1 Milliarden Euro.

Mit Markus WanningMonteur-Podcast.de · Vermietung an Fachkräfte und Monteure
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Kapitel

Das Wichtigste in Kürze

  1. Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum für Berufstätige, gebucht für Wochen bis Monate, mit eigener Küche und Einzelbetten.
  2. Für Monteurzimmer gibt es keine Norm und keine Sterne wie bei Hotels. Markus definiert sie deshalb über ihre Funktion.
  3. Zu den Gästen gehören Handwerker auf Großbaustellen, Zeitarbeiter, saisonale Hilfskräfte und Projektteams.
  4. Geschätzt 400.000 bis 600.000 Menschen übernachten jede Nacht in Monteurunterkünften.
  5. Der Markt liegt nach Markus' Schätzung bei 2,7 bis 5,1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Für Vermieter, die mit Monteurzimmern starten wollen, und für Disponenten, die Unterkünfte für ihre Teams buchen.

Was ist ein Monteurzimmer?

Monteurzimmer, Monteurwohnung, Boardinghouse, Gästehaus, Handwerkerunterkunft: Für dieselbe Sache gibt es viele Namen. Eine Norm wie die Sterneklassifizierung bei Hotels gibt es nicht. Markus definiert das Monteurzimmer deshalb über seine Funktion.

Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum, der Berufstätigen für mehrere Wochen oder Monate zur Verfügung gestellt wird. Dazu gehören eine eigene Küche und Einzelbetten.

  • Dauer: Wochen bis Monate. Ein Hotelgast bleibt meist eine bis drei Nächte.
  • Zweck: beruflich. Die Gäste arbeiten auf Zeit fernab ihres Wohnorts.
  • Einzelbetten: Niemand will mit dem Kollegen im Doppelbett schlafen.
  • Eigene Küche: Wer abends von der Baustelle kommt, will selbst kochen und nicht jeden Abend essen gehen.

Wer übernachtet in Monteurzimmern?

Das Bild vom Handwerker in der heruntergekommenen Pension trifft selten zu. Zu den Gästen gehören:

  • Handwerker auf Großbaustellen, zum Beispiel Schreiner und Maler, die Wochen oder Monate an einem Projekt arbeiten
  • Zeitarbeiter, die Personaldienstleister an Betriebe fernab ihres Wohnorts verleihen
  • Saisonale Hilfskräfte, etwa für das Weihnachtsgeschäft bei der Post
  • Projektteams aus Anlagenbau, Industriemontage oder dem Bau von Windkraftanlagen

Alle brauchen dasselbe: ein eigenes Bett in einer möblierten Unterkunft auf Zeit. Zweckmäßig, ohne Luxus.

Wie groß ist der Markt für Monteurzimmer?

Eine offizielle Zahl gibt es nicht. Markus leitet sie in der Folge aus drei Gruppen her. Alle Anteile und Ergebnisse sind Schätzungen.

GruppeGrundlageAnnahmeMenschen pro Nacht
Zeitarbeitknapp 662.000 Beschäftigte 2025 (Bundesagentur für Arbeit)20 bis 25 % arbeiten fernab ihres Wohnorts150.000 bis 250.000
Baugewerbe2,6 Mio. Beschäftigte 2025, davon 933.000 im Bauhauptgewerbe (Statistisches Bundesamt)10 % arbeiten nicht an ihrem Heimatortrund 250.000
Weitere GruppenSaisonkräfte, Pflege, Anlagenbau, Industriemontage, Windkraft. Keine Statistik.Schätzungrund 100.000
GesamtSchätzung in der Folge400.000 bis 600.000

Umsatz = Menschen pro Nacht × 310 Nächte im Jahr (85 % Auslastung) × 22 bis 30 € pro Bett und Nacht

Damit kommt Markus auf einen geschätzten Jahresumsatz von 2,7 bis 5,1 Milliarden Euro allein für Monteurunterkünfte in Deutschland.

Ob 85 Prozent Auslastung in der Praxis erreichbar sind, rechnet Folge 03: Die ehrliche Renditerechnung an einer echten Vier-Bett-Wohnung durch.

Häufige Fragen

Was ist ein Monteurzimmer?

Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum für Berufstätige, die auf Zeit fernab ihres Wohnorts arbeiten. Gebucht wird für mehrere Wochen oder Monate. Typisch sind eine eigene Küche und Einzelbetten.

Was unterscheidet ein Monteurzimmer von einem Hotelzimmer?

Die Dauer, der Zweck und die Ausstattung. Ein Hotelgast bleibt meist ein bis drei Nächte, ein Monteur Wochen bis Monate. Er reist beruflich und braucht deshalb eine Küche zum Selbstkochen und ein Einzelbett, auch wenn er die Unterkunft mit Kollegen teilt.

Wer übernachtet in Monteurzimmern?

Handwerker auf Großbaustellen wie Schreiner und Maler, Zeitarbeiter, saisonale Hilfskräfte zum Beispiel im Weihnachtsgeschäft der Post sowie Projektteams aus Anlagenbau, Industriemontage und dem Bau von Windkraftanlagen.

Wie viele Menschen übernachten pro Nacht in Monteurzimmern?

Eine offizielle Statistik gibt es nicht. Markus Wanning schätzt 400.000 bis 600.000 Menschen pro Nacht. Grundlage sind Beschäftigtenzahlen aus Zeitarbeit und Baugewerbe sowie eine Schätzung für weitere Branchen.

Wie groß ist der Markt für Monteurzimmer in Deutschland?

Nach der Schätzung in Folge 01 liegt der Umsatz bei 2,7 bis 5,1 Milliarden Euro im Jahr. Gerechnet wird mit 85 Prozent Auslastung, also rund 310 Nächten im Jahr, und 22 bis 30 Euro pro Bett und Nacht.

Wo kann ich den Monteur-Podcast hören?

Auf monteur-podcast.de sowie bei Spotify, Apple Podcasts, YouTube, Amazon Music und Deezer.

Begriffe aus der Folge

Monteurzimmer
Möblierter Wohnraum für Berufstätige auf Zeit, gebucht für Wochen bis Monate, mit eigener Küche und Einzelbetten. Andere Namen: Monteurwohnung, Monteurunterkunft, Handwerkerunterkunft.
Auslastung
Anteil der belegten Bettnächte. 85 Prozent entsprechen rund 310 Nächten im Jahr.
Zeitarbeit
Ein Personaldienstleister stellt Beschäftigte ein und verleiht sie an andere Betriebe, oft fernab des Wohnorts.
Bauhauptgewerbe
Der Teil des Baugewerbes, der Rohbau, Tiefbau und Straßenbau umfasst.

Quellen und Links

Transkript

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Ganzes Transkript lesen 795 Wörter

Ein Markt ohne Statistik

Es gibt in Deutschland einen Markt mit über drei Milliarden Euro Umsatz, aber es existiert keine einzige Statistik. Es gibt keinen Branchenverband. Das Statistische Bundesamt kennt ihn nicht. Aber dennoch übernachten in diesem Markt mehrere hunderttausend Menschen pro Nacht. Gemeint sind Monteurzimmer.

Hallo und herzlich willkommen beim Monteur-Podcast. Vermietung an Fachkräfte und Monteure. Mein Name ist Markus Wanning und ich bin euer Host.

Was ist ein Monteurzimmer?

Was ist eigentlich ein Monteurzimmer? Fangen wir ganz vorne an, auch wenn vielleicht einige von euch da ein bisschen tiefer drinstecken. Aber beim Begriff beginnt ja eigentlich schon das Chaos: Monteurzimmer, Monteurwohnung, Boardinghouse, Gästehaus, Pension auf Zeit, Handwerkerunterkunft, wie auch immer man es nennt. Das zeigt schon: Der Markt ist sehr chaotisch. Es gibt im Monteurmarkt, wie ich ihn nenne, keine Norm wie bei den Hotels, wo es eine Sterneklassifizierung gibt. Und genau da beginnt eigentlich schon das Chaos, und das ist symptomatisch für die ganze Branche.

Deshalb definiere ich es nicht über den Namen, sondern über die Funktion. Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum, der mehrere Wochen beziehungsweise Monate Berufstätigen zur Verfügung gestellt wird, mit einer eigenen Küche und einem Einzelbettstandard.

Diese Definition macht für mich den Unterschied. Mehrere Wochen beziehungsweise Monate im Vergleich zu einer Hotelübernachtung, die auf eine oder zwei, drei Nächte angelegt ist. Für Berufstätige und nicht für touristische Zwecke, das spiegelt sich in der Ausstattung der Unterkunft wider. Einzelbetten anstatt Doppelbetten spielen auch hier wieder eine große Rolle. Niemand möchte mit seinen Kollegen in einem Doppelbett zusammen übernachten. Und der Standard einer eigenen Küche, weil viele Monteure beziehungsweise Fachkräfte, die abends nach Hause kommen, kochen wollen. Sie wollen nicht jeden Abend essen gehen oder sich nur von Convenience Food ernähren.

Der Monteurmarkt mit seinen über drei Milliarden Euro Umsatz und Hunderttausenden Übernachtungen pro Nacht hat also seine ganz eigene Zielgruppe. Lasst uns das jetzt etwas näher beleuchten.

Wer dort übernachtet

Wer übernachtet da eigentlich überhaupt? Wenn ich Monteurzimmer sage, denken viele an einen Handwerker, der in einer heruntergekommenen Pension übernachtet. Die Realität sieht aber komplett anders aus.

Wenn ich an unsere Kunden denke, sind das Handwerker, die für mehrere Wochen beziehungsweise Monate in Deutschland auf einer Großbaustelle arbeiten, zum Beispiel als Schreiner oder als Maler. Teilweise sind das Zeitarbeiter, die von großen Leiharbeitsfirmen an größere Betriebe ausgeliehen wurden und auch fernab ihres Wohnorts arbeiten müssen. Ein Teil unserer Kunden sind auch saisonale Hilfskräfte. Zum Beispiel bei der Deutschen Post: Die helfen über das Weihnachtsgeschäft aus, wenn zu viele Briefe zugestellt werden müssen.

Alle haben aber dasselbe Bedürfnis: ein eigenes Bett in einer möblierten Unterkunft für Wochen beziehungsweise Monate. Kein Luxus, sondern eine zweckmäßige Unterkunft auf Zeit.

Die Marktrechnung Schritt für Schritt

Und jetzt zur großen Zahl vom Anfang: drei Milliarden Euro Umsatz. Wie kommt man auf diese Zahl, wenn es doch keine Statistik gibt? Man leitet sie her. Und das machen wir jetzt gemeinsam, Schritt für Schritt.

Erstens, Zeitarbeit. Laut Bundesagentur für Arbeit waren 2025 knapp 662.000 Menschen in der Zeitarbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das Marktvolumen der Zeitarbeitsbranche lag bei 32 Milliarden Euro. Wenn wir jetzt mal konservativ davon ausgehen, dass nur 20 bis 25 Prozent der Zeitarbeiter fernab ihres Wohnorts arbeiten, teilweise kommen sie aus dem Ausland, dann sprechen wir hier immer noch über 150.000 bis 250.000 Menschen pro Nacht.

Zweitens, Baugewerbe. Laut Statistischem Bundesamt waren 2025 2,6 Millionen Menschen im Baugewerbe beschäftigt. Im Bauhauptgewerbe waren es 933.000 Menschen. Wenn wir jetzt nur davon ausgehen, dass zehn Prozent aller Bauarbeiter nicht an ihrem ursprünglichen Heimatort arbeiten, sprechen wir hier immer noch über 250.000 Übernachtungen.

Drittens, alle anderen: Saisonkräfte, Pflegekräfte, Anlagenbau, Industriemontagen, Baustellen von Windkraftanlagen. Wenn wir diese in keiner Statistik erfasste Personengruppe mal zusammenfassen, können wir circa 100.000 Menschen identifizieren.

Zusammengerechnet kommen wir also auf knapp 400.000 bis 600.000 Menschen. Wenn wir jetzt eine Auslastung von 85 Prozent zugrunde legen, also 310 Übernachtungen pro Jahr, und einen Preis von 22 bis 30 Euro, kommen wir auf eine Schätzung zwischen 2,7 und 5,1 Milliarden Euro nur für den Monteurmarkt in Deutschland.

Zusammenfassung und Ausblick

Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen. Ein Monteurzimmer ist möblierter Wohnraum, der wochen- beziehungsweise monatsweise einer fremden dritten Person zur Verfügung gestellt wird, die fernab ihres Wohnorts arbeitet. Es übernachten dort Monteure, Zeitarbeiter, Projektteams oder saisonale Hilfskräfte. Und der Monteurmarkt umfasst ein Marktvolumen von 2,7 bis 5,1 Milliarden Euro.

In der nächsten Folge beleuchten wir den Monteurmarkt weiter. Das war jetzt erst mal ein kleiner Start. Wenn dich das interessiert, dann bleib dran. Abonniere diesen Podcast beziehungsweise Kanal und teile ihn mit Bekannten, die sich auch für die Monteurzimmervermietung interessieren.

Wir werden Fragen klären wie zum Beispiel die Ausstattung einer Monteurunterkunft: Was darf dort definitiv nicht fehlen? Was sind die größten Probleme, die wir bei der Monteurvermietung schon einmal erlebt haben? All das, auch die rechtlichen Hürden der Monteurzimmervermietung, werden wir in diesem Podcast beleuchten. Also bleib dran. Ich freue mich, wenn wir uns bald wiederhören.

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